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Prüfung der Akzeptanz von Musikschallpegelbegrenzungen bei Schüler/innen im Alter von 10-19 Jahren

(Laufzeit: 01.12.2000 – 31.05.2001)

Foto: Kind mit KopfhörerMusikschall in Diskotheken, Clubs und bei Konzertveranstalten stellt eine Form des Freizeitlärms dar, durch die bleibende Hörverluste bei den zumeist jugendlichen Besuchern derartiger Orte hervorgerufen werden können. Nach dem heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand ist die Gefahr einer bleibenden Gehörschädigung durch überlautes Musikhören gegeben.

Bei der Abschätzung des Risikos für einen Gehörschaden kommt es nicht nur auf die Höhe des Schallpegels, sondern auch auf die Einwirkzeiten an. Wenn diese hinreichend lang sind, besteht die Gefahr für einen lärmbedingten Hörverlust. Bei den gegebenen Musikhörgewohnheiten würden schon nach 10 Jahren ca. 10-20% der Jugendlichen einen zwar leichten, aber doch nachweisbaren Hörverlust von >10 dB bei 3 kHz davontragen. Die Bundesärztekammer empfahl deshalb in ihrer Stellungnahme zu Gehörschäden durch Lärmbelastung in der Freizeit, dass in Deutschland Pegelbegrenzungen vorgeschrieben werden.

Ziel

Hauptziel der vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) im Rahmen des Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit (APUG) geförderten empirischen Untersuchung ist die Klärung der Frage, in welchem Maße Musikschallpegelbegrenzungen in Diskotheken und bei Konzerten von Jugendlichen im Alter von 10-19 Jahren akzeptiert werden und inwieweit Projekte, die eine Wissensvermittlung zum Thema: „Hörschäden durch Musiklärm“ beinhalten, bei Jugendlichen eine Bewußtseinsänderung hervorrufen.

Durchführung

Die Befragung der Schüler/innen erfolgte anhand von Fragebogen.

Innerhalb des Projektes wurden folgende Fragestellungen untersucht:

  1. Wie sieht der Wissensstand zum Thema: „Lärm und Gehörschäden“ in den verschiedenen Altersstufen und Bildungseinrichtungen aus?
  2. Wie hoch ist die Akzeptanz der Jugendlichen unterschiedlichen Alters für Pegelbegrenzungen auf Diskotheken und Musikveranstaltungen?
  3. Inwieweit wissen Schüler über Möglichkeiten des persönlichen Lärmschutzes (z.B. Gehörschutzstöpsel) Bescheid und wie hoch ist die Akzeptanz für derartige Maßnahmen?
  4. Inwieweit würde sich die Akzeptanz gegenüber persönlichen Gehörschutzmaßnahmen erhöhen, wenn auf dem Markt, nicht nur funktional für den Arbeitsschutz konzipierte Gehörschutzstöpsel sind, sondern auch solche, die dem Modetrend der Jugendlichen entsprechen?
  5. Welche Gründe bestehen seitens der Schüler/innen, die gegen eine Begrenzung der Musikschallpegel und gegen persönliche Schutzmaßnahmen sprechen?
  6. Bewirken derartige Kampagnen und Projekte eine Bewusstseinsänderung bei den Schüler/innen?
  7. In welcher Klassenstufe (bezogen auf die verschiedenen Bildungseinrichtungen) erzielen derartige Projekte die höchste Resonanz seitens der Schüler/innen?

Ergebnis

Die Ergebnisse der Querschnittsuntersuchung lassen sich stichpunktartig wie folgt zusammenfassen:

  1. Es wurden 1674 erste und zweite Fragebögen ausgewertet. Die statistischen Analysen beziehen sich im wesentlichen auf die Daten von 1511 Teilnehmern, die alle drei Fragebögen vollständig ausgefüllt und einheitlich gekennzeichnet haben.
  2. Ca. 87% der 10-12jährigen und ca. 66% der 13-14jährigen besuchen noch keine Diskotheken. Innerhalb der Altersgruppe der 15-16jährigen gaben 53% der Befragten an, mindestens 1 mal pro Monat in eine Diskothek zu gehen. Mit zunehmendem Alter der Jugendlichen erhöht sich der Besuch derartiger Veranstaltungen. Die 16- 17jährigen gehen im Schnitt 1-2 mal und die 18jährigen 2-3mal pro Monat in eine Diskothek.
  3. Ca. die Hälfte aller Befragten gaben an, sich in der von ihnen am häufigsten besuchten Diskothek bestenfalls durch schreien verständigen zu können bzw. eine Verständigung unmöglich ist.
  4. Ca. ein Drittel der Befragten stuften die übliche Lautstärke auf Diskotheken als viel oder etwas zu laut ein. Dieser Anteil erhöhte sich nach erfolgter Wissensvermittlung auf fast 50%. Die gleiche Antworttendenz erfolgte bei der Einschätzung der Lautstärke außerhalb der Tanzflächen.
  5. Nur etwa 3% der Schüler/innen haben sich bisher beim DJ über zu hohe Lautstärken beschwert. 8% gaben hierbei zu, dass sie sich eine Beschwerde beim DJ nicht trauen würden.
  6. Etwa 53 % der Teilnehmer wünschten keine extremen oder sehr lauten Pegel auf der Tanzfläche. Dieser Anteil erhöhte sich nach der Unterrichtseinheit auf 66,6%.
    Nur etwas weniger als 10% der Jugendlichen wollen extreme oder sehr laute Musikpegel auch außerhalb der Tanzfläche.
  7. Schüler, die häufiger Diskotheken besuchen, bevorzugen auch vermehrt extreme oder sehr laute Musikpegel a derartigen Veranstaltungen.
  8. Der Wissensstand bei den Schülern zum Thema Musik und Hörschäden ist ungenügend. Weniger als 10% der Beteiligten gaben an, umfassend informiert zu sein.
  9. 73% der Schüler/innen wurden durch das Projekt zum Nachdenken angeregt.
  10. Durch den Wissenszuwachs um mögliche Gefahrenpotentiale hat der Meinungstrend der Schüler einen Richtungswandel erfahren. Während vor dem Projekt mehr Schüler gegen als für Pegelbegrenzungen stimmten, kehrte sich das Verhältnis nach dem Projekt zu Gunsten einer Akzeptanz von Pegelbegrenzungen um. Dem größten Teil der Jugendlichen sind allerdings auch noch nach dem Projekt mögliche Pegelbegrenzungen egal. Für sie sind andere Kriterien, wie z.B. Musikstil, Atmosphäre, Treffen von Freunden, Publikum etc. wichtiger als die Lautstärke der Musik.
  11. 37% der Jugendlichen gaben vor dem Projekt an, sie würden beim Vorhandensein von Diskotheken mit begrenzter Lautstärke diese gegenüber anderen bevorzugen. Dieser Anteil erhöhte sich auf 50% nach erfolgter Wissensvermittlung.
  12. Die Nachhaltigkeit des Projektes wird durch die Tatsache bescheinigt, dass nach 6 Wochen ca. 42 % der Teilnehmer angaben, in letzter Zeit kritischer auf Ohrgeräusche und Vertäubungen geachtet zu haben.
  13. Die Benutzung von Gehörschutz bei lautstarken Veranstaltungen ist nicht verbreitet. 85% der Befragten haben diese Möglichkeit des Schutzes noch nie in Betracht gezogen und nur 1,4% gaben einen ständigen oder häufigen Gebrauch an.
  14. Die tägliche Dauer des Hörens von Musik oder des Spielens am Computer unter Verwendung von Kopfhörern liegt bei etwa 7 Stunden pro Woche (unter Einschluss der Nichthörer) und ist bei den 14jährigen mit durchschnittlich 9 Stunden pro Woche am höchsten.
  15. Schüler/innen von Hauptschulen hören im Schnitt 9 Stunden pro Woche über Kopfhörer, Gymnasiasten dagegen etwa 5 Stunden.
  16. Die Akzeptanz und die Bereitschaft der Schüler/innen über das Thema nachzudenken sowie letztendlich das Verhalten zu ändern, ist in den verschiedenen Klassenstufen und Bildungseinrichtungen unterschiedlich.
  17. Im Sinne einer Einheitlichkeit der Bearbeitung des Themas in den drei verschiedenen Bildungseinrichtungen der Oberstufe wird empfohlen, das Thema: „Hörschäden durch zu laute Musik“ in der Klasse 8 oder 9 abzuhandeln. Mit dem Eintritt in die Berufswelt sollte das Problem nochmals aufgegriffen werden. Das Thema könnte hinsichtlich des Arbeitsschutzes bei Lärm in den verschiedenen Berufssparten erweitert werden.

Für die gymnasiale Oberstufe wird die 11. oder 12. Klasse empfohlen, da die Schüler/innen in der 13. Klasse sich auf die Prüfungen und deren Vorbereitung konzentrieren.
Innerhalb der Grundschule sollte erstmals auf diese Problematik eingegangen werden. Empfohlen wird die 5. Klassenstufe. Auch die Eltern sollten in die Aufklärung mit einbezogen werden.

 

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