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Exposition von Kindern gegenüber Pflanzenschutzmitteln

(Laufzeit 1.6.2001 – 30.4.2002)

Foto: Acker mit JungpflanzenReagieren Kinder empfindlicher auf Chemikalien als Erwachsene? Diese Frage ist Ausgangspunkt des internationalen Workshops zum Thema „Exposition von Kindern gegenüber Pflanzenschutzmitteln“ gewesen. Im Rahmen des Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit (APUG) hat das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin ( (BgVV), seit 1.11.2002 Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR) ) die Veranstaltung vom 27.-29.09.2001 im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) durchgeführt.

Pflanzenschutzmittel wurden als Thema für den Workshop ausgewählt, weil sie zu einer Produktgruppe gehören, die über vielfältige Aufnahmepfade in den kindlichen Organismus gelangen kann. Das erfordert für die Expositionsschätzung eine komplexe Herangehensweise, die beispielgebend für andere Produktgruppen genutzt werden kann.

Drei Tage lang diskutierten und bewerteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den gegenwärtigen Kenntnisstand zur Beurteilung von Risiken im Kindesalter, die mit der Exposition gegenüber den beispielhaft ausgewählten Pflanzenschutzmitteln in Verbindung stehen. Weiterer Handlungs- und Forschungsbedarf wurde aufgezeigt. Die Schwerpunkte des Workshops waren anthropometrische Anthropometrie: befasst sich mit den Messgrößen des menschlichen Körpers oder seiner Teile (z.B. Körpergröße, Körpergewicht) und toxikokinetische Toxikokinetik: befasst sich mit den Reaktionen zwischen einer toxischen Substanz und dem Organismus (Aufnahme, Verteilung, biologische Transformation (Metabolisierung, Stoffwechsel), Elimination von Fremdstoffen Besonderheiten des Kindes im Vergleich zu Erwachsenen, altersspezifische Verhaltensmuster sowie die Modellierung der ExpositionExposition: die Gesamtheit an Schadstoffen, denen der Organismus ausgesetzt ist.

Aus Gründen der Vorsorge wurde die Einführung zusätzlicher Extrapolationsfaktoren diskutiert. Das Schutzgebot wird dabei bei Kindern strenger ausgelegt als bei Erwachsenen. Hauptargument ist, dass bei Kindern wegen der noch vor ihnen liegenden größeren Lebensspanne die Exposition deutlich höher sein kann. Um wissenschaftlich haltbare Grundlagen für ein derartiges Vorsorgekonzept zu erarbeiten, sind Expositionsschätzungen nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder erforderlich. Das setzt eine vergleichende Analyse aller Faktoren voraus, die zur Exposition beitragen und diese mitbestimmen.

Der Workshop wurde finanziert aus den Mitteln des Umweltforschungsplans (UFOPLAN) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU).

Ergebnis

Werden die bei Erwachsenen erhobenen Daten unter Verwendung des Körpergewichtes auf das Kind extrapoliert, führt dies zu einer Überschätzung der Exposition beim Kind. Aus präventiven Gründen ist dies zwar durchaus erwünscht, wissenschaftlich aber nicht korrekt.

Die einzelnen Organsysteme reifen nach der Geburt in unterschiedlichen Zeiträumen. Die Reifungsphasen stellen kritische Phasen dar, die bei der Bewertung toxischer Wirkungen besonders zu berücksichtigen sind (Reifung der Nieren im ersten Lebensjahr, des zentralen Nervensystems in den ersten drei Lebensjahren oder die Reifung der Sexualorgane im Alter von 10 bis 18 Jahren). Die Eliminationsfunktionen unterliegen altersabhängigen Schwankungen, die z.T. in bestimmten Lebensabschnitten höhere Kapazitäten aufweisen als bei Erwachsenen.

Bei Kleinkindern ist das so genannte „Mouthing“ - eine Hand-zu-Mund-Aktivität beim Krabbeln, Spielen, Essen und auch beim Kontakt mit Haustieren -, das die Exposition deutlich mitbestimmt, ebenso typisch, wie das Krabbeln auf dem Boden, bei welchem der Kontakt zu sedimentiertem kontaminiertem Hausstaub in der Wohnung oder kontaminierten Bodenpartikeln außerhalb der Wohnung hergestellt wird. Hiervon abzugrenzen ist der Kontakt mit Produkten, die dazu vorgesehen sind, in den Mund gesteckt zu werden, z.B. Nuckel. In diesem Zusammenhang ist die Frage der Exposition gegenüber Weichmachern zu sehen.

Insgesamt kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu dem Schluss, dass Kinder als besondere Gruppe bei Expositionsschätzungen behandelt werden müssen: Sie sind keine „kleinen Erwachsene“. Ob Kinder allerdings ein höheres Risiko tragen, kann heute nicht endgültig beantwortet werden. Die (englischsprachige) Dokumentation des Workshops gibt die Diskussion der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Schweden, der Schweiz und den USA zu expositionsbestimmenden Verhaltensmustern und für die Risikobewertung bedeutenden Parametern von Kindern im Vergleich zu Erwachsenen wieder.

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