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Toxikologische Risikoabschätzung

Bei der toxikologischen Risikoabschätzung werden durch die Auswahl geeigneter Studien Empfindlichkeitsunterschiede zwischen potentiellen Risikogruppen berücksichtigt. In vielen Fällen reicht die toxikologische Datenlage bisher jedoch nicht aus, um den Empfindlichkeitsunterschied zwischen Risikogruppen (Kinder, Alte und Kranke) und gesunden Erwachsenen bei der Standardsetzung verlässlich zu quantifizieren.

Extrapolationsfaktor

Wenn sich die vorhandenen Daten vorwiegend auf gesunde Erwachsene beziehen, müssen bei der toxikologischen Risikoabschätzung empfindliche Bevölkerungsgruppen mit einem sogenannten Extrapolationsfaktor berücksichtigt werden. Das heißt, die für gesunde Erwachsene ermittelten Werte werden durch den Extrapolationsfaktor dividiert und damit das Schutzniveau angehoben.

Richtwerte für Schadstoffe in der Innenraumluft

Die beim Umweltbundesamt angesiedelte Kommission „Innenraumlufthygiene“ benutzt bei der Festlegung von Richtwerten für Schadstoffe in der Innenraumluft einen Extrapolationsfaktor von 20. Mit dem Faktor 10 wird der für gesunde Erwachsene ermittelte Wert auf empfindliche Bevölkerungsgruppen übertragen. Mit dem Faktor 2 wird zusätzlich berücksichtigt, dass das Atemminutenvolumen, bezogen auf das Körpergewicht, bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen bis zu doppelt so hoch ist, was zu einer höheren Exposition über die Atemwege führt.

Richtwerte für Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmittel in Lebensmitteln

Auch bei der Festsetzung von Höchstmengen für Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln in Lebensmitteln werden empfindliche Bevölkerungsgruppen berücksichtigt.

Hierzu steht in der Begründung zur Rückstands-Höchstmengenverordnung: „Alle in der Rückstands-Höchstmengenverordnung festgesetzten Höchstmengen sind vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) unter gesundheitlichen Gesichtspunkten überprüft worden. Dabei haben sich unter Zugrundelegung üblicher Verzehrsmengen keine Bedenken im Hinblick auf eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit ergeben. Die Höchstmengen sind in allen Fällen so bemessen worden, dass sie einerseits dem vorbeugenden Gesundheitsschutz des Verbrauchers Rechnung tragen, andererseits aber auch vom Erzeuger bei Anwendung der Guten Landwirtschaftlichen Praxis bzw. vom Weiterverarbeiter eingehalten werden können.

Die vom BfR vorgenommenen gesundheitlichen Bewertungen sind am Beispiel der Verzehrsmengen eines 4- bis 6-jährigen Mädchens mit einem Körpergewicht von 13,5 kg durchgeführt worden, weil hier das Verhältnis von Lebensmittelverzehr zum Körpergewicht am ungünstigsten ist. Das BfR hat bei diesen Bewertungen die von der WHO herausgegebenen „Richtlinien zur Vorhersage der Aufnahme von Schädlingsbekämpfungsmittelrückständen über die Nahrung (geänderte Fassung)“ miteinbezogen.“

Forschungsvorhaben zur toxikologischen Risikoabschätzung

Im Rahmen des Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit (APUG) wurden mehrere Forschungsvorhaben („Exposition von Kindern gegenüber Pflanzenschutzmitteln“; „Berücksichtigung der Risikogruppe Kind bei der Ableitung gesundheitsbezogener Umweltstandards“; Kinder als empfindliche Gruppe und ihre Berücksichtigung in der Toxikologie: Schäden am Immunsystem durchgeführt, um zu klären, ob Kinder generell empfindlicher gegenüber schädlichen Umwelteinwirkungen sind als Erwachsene. Ergebnis dieser Vorhaben war, dass Kinder in ihrer Entwicklung verschiedene Stadien mit unterschiedlicher Exposition und Empfindlichkeit gegenüber Umwelteinflüssen durchlaufen. Abhängig von ihrem Entwicklungsstand können sie gegenüber manchen Stoffen empfindlicher, aber in manchen Fällen auch unempfindlicher sein als Erwachsene. Dies muss im Einzelfall geprüft und angemessen berücksichtigt werden. Die häufig vorgebrachte Behauptung, Kinder seien generell empfindlicher gegenüber Umweltschadstoffen als Erwachsene, wird durch diese Untersuchungen nicht bestätigt.

 

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