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Mögliche Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Ausbreitung von Krankheitserregern über tierische Vektoren

(Laufzeit: 01.01.2001 – 31.08.2002)

Der gegenwärtig beobachtete Klimawandel lässt auch für Deutschland künftig eine zunehmende Veränderung der klimatischen Bedingungen erwarten. Man kann davon ausgehen, dass hierdurch die Lebens- und Ausbreitungbedingungen von Krankheitserregern und deren tierischen Überträgern (Vektoren) beeinflusst werden. Wie sich dies konkret in Deutschland auswirken wird, war die Kernfrage eines im Rahmen des Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit (APUG) vom Umweltbundesamt (UBA) in Auftrag gegebenen Projektes.

Ziel

Folgende Fragestellungen sollten mit der Studie beantwortet werden:

Ergebnis

Die Studie schildert die generelle Abhängigkeit der Entwicklung der Erreger als auch der Überträger von Klimaparametern wie Temperatur, Niederschlags- und Feuchtebedingungen. Eine Analyse der gegenwärtigen Situation zeigt, dass wärmeliebende Krankheitsüberträger und -erreger bereits nach Deutschland oder in unsere Nachbarstaaten eingeschleppt worden sind.

Die ursprünglich in Asien beheimatete Tigermücke (Aedes albopictus), ein Überträger des Dengue-Fiebers, wurde bereits in Frankreich und Italien entdeckt. In Deutschland wurde eine hier bisher unbekannte Sandmückenart Phlebotomus mascittii gefunden sowie Phlebotomus perniciosus, ein aus Süd- und Südwesteuropa bekannter Überträger der Leishmaniose.

Die Malaria gilt heute bei uns als bedeutendste Importinfektion, wie jährlich etwa 1000 durch das Robert Koch-Institut registrierte Erkrankungsfälle zeigen. Teile Deutschlands waren bis Mitte der 1950er Jahre Malaria-Gebiete, in denen einheimische Stechmücken-Arten importierte Malaria-Erreger an gesunde Menschen übertrugen. Die Studie zeigt ein deutliches Risiko auf, dass sich in Zukunft klimabedingt die Entwicklungs- und Ausbreitungsmöglichkeiten bestimmter Stechmückenarten in Deutschland verbessern. Mit zunehmender Zahl infizierter Personen wächst die Gefahr, sich in Deutschland durch Stiche von Malaria-Mücken mit dem Erreger zu infizieren.

Wesentliche Ursachen für die Verbreitung von Infektionen über tierische Überträger sind neben der Klimaveränderung auch der intensive Reiseverkehr und Tiertransporte; Nutzungsänderungen von Brut- und Rastgebieten tierischer Überträger und Reservoirtiere und ihre Ausbreitung in bisher von ihnen nicht besetzte Regionen und Nischen.

Ausblick

Das Risiko an einer Vielzahl neuer oder in Deutschland als ausgerottet geltenden Infektionen zu erkranken, besteht bereits jetzt. Dieses Risiko wird durch die Klimaerwärmung und die damit einhergehende Ausdehnung der Verbreitungsgebiete tierischer Überträger verstärkt. Vorbeugungs- und Bekämpfungsstrategien müssen regionalspezifisch gestaltet werden, können jedoch derzeit nicht erarbeitet werden, weil repräsentative Untersuchungen von Überträgern, Reservoirtieren sowie der epidemiologischen Situation weitestgehend fehlen.

Um einen wirksamen Schutz aufzubauen, muss eine Referenzstelle für tierische Überträger von Krankheitserregern des Menschen und der Tiere in Deutschland geschaffen werden, welche die Situation der potentiellen Überträger in Deutschland fortlaufend dokumentiert, unter Mithilfe der Länder überwacht und Daten mit Nachbarstaaten austauscht. Erst auf Basis dieser Daten können rechtzeitig Empfehlungen zum Infektionsschutz erarbeitet sowie Abwehrmaßnahmen konzipiert und koordiniert werden, die einerseits den Infektionsschutz gewährleisten und andererseits die Belange des nachhaltigen Umweltschutzes berücksichtigen.

Kontakt
Petra Mahrenholz
Umweltbundesamt
Fachgebiet 1 2.7 Schutz der Erdatmosphäre
petra.mahrenholz@uba.de

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