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Chronischer Lärm als Risikofaktor für den Myokardinfarkt

Ergebnisse der „NaRoMI“-Studie

(Laufzeit: 1998 – 2002)

Chronische Lärmbelastungen können eine Reihe von nachteiligen Auswirkungen auf die Lebensqualität und die Gesundheit haben. Neben erheblichen Störungen und Belästigungen, kann Lärm Schlafstörungen und klinische Symptome hervorrufen, die langfristig das Risiko für bestimmte Krankheiten erhöhen. Blutdruckanstiege, erhöhte Cholesterin- und Blutzuckerwerte sowie verminderte Fließeigenschaften des Blutes wurden bei lärmbelasteten Personen beobachtet. Derartige Veränderungen sind als Risikofaktoren für den Herzinfarkt (Myokardinfarkt) zu betrachten.

Das Umweltbundesamt (UBA) hat in der Vergangenheit eine Reihe von Untersuchungen zum Herz-Kreislauf-Risiko durch langfristige Belastung mit Verkehrslärm durchgeführt (Babisch 2000, Babisch 2001). Die Ergebnisse epidemiologischer Lärmstudien liefern zum Teil uneinheitliche Ergebnisse. Um das lärmbedingte Gesundheitsrisiko genauer abschätzen zu können, hat das Umweltbundesamt (UBA) im Rahmen des Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit (APUG) in Zusammenarbeit mit dem Berliner Universitätsklinikum Charité eine große Lärmstudie zum Herzinfarktrisiko durch Straßenverkehrslärm durchgeführt. Das UBA hat anhand der Berliner Lärmkarte die Lärmbelastung von über 4.000 Patienten bestimmt, die in Krankenhäusern wegen Herzinfarkt oder anderer Erkrankungen (von denen angenommen wurde, dass sie nicht mit Lärm in Verbindung stehen) behandelt wurden (Umweltbundesamt, 2004). [Anmerkung: „NaRoMI“ steht für “Noise and Risk of Myocardial Infarction“]

An der Studie nahmen 4114 Patienten teil, die in den Jahren von 1998-2001 in Berliner Kliniken behandelt wurden. Sie füllten einen Lärm-Fragebogen zur Störung durch Lärm in ihrem Wohnumfeld aus und machten Angeben zu bekannten Risikofaktoren für den Herzinfarkt. Mit Hilfe der Lärmkarte der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wurde der mittlere Straßenverkehrslärmpegel tags und nachts außen vor den Wohnungen der Studienteilnehmer an der am stärksten lärmbelasteten Gebäudeseite bestimmt (Immissionspegel 6-22 Uhr und 22-6 Uhr).

Ergebnis

Es zeigte sich, dass die Männer mit Herzinfarkt öfter an lauten Straßen wohnten, als diejenigen, die wegen anderer Krankheiten behandelt wurden. Es bestand eine Dosis-Wirkungs-Beziehung in Form eines ansteigenden Herzinfarktrisikos mit zunehmender Verkehrslärmbelastung. Das relative Herzinfarktrisiko für Männer mit Wohnungen an Straßen mit Verkehrslärmpegeln tagsüber von mehr als 65 dB(A) (entspricht nachts ca. 55 dB(A)) war gegenüber denen, die an leiseren Straßen mit Immissionspegeln von tags =60 dB(A) (nachts =50 dB(A)) um 20% erhöht. In der Teilstichprobe von Männern, die zehn Jahre lang nicht umgezogen waren, war das relative Risiko doppelt so hoch und statistisch signifikant. Bei den Frauen wurde kein schallpegelabhängiger Zusammenhang mit dem Herzinfarktrisiko gefunden. Darüber hinaus war bei den Männern (nicht bei den Frauen) die subjektiv beurteilte Belästigung durch Straßenverkehrslärm signifikant mit einem höheren Herzinfarktrisiko verbunden.

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass chronische Verkehrslärmexposition das Risiko für den Herzinfarkt erhöht.

Weitere Informationen

Umweltbundesamt 2004: Chronischer Lärm als Risikofaktor für den Myokardinfarkt. Ergebnisse der „NaRoMi“-Studie. WaBoLu-Hefte 02/2004. Berlin: Umweltbundesamt. online bestellen.
Babisch W. 2000: Gesundheitliche Wirkungen von Umweltlärm. Ein Beitrag zur Standortbestimmung. Zeitschrift für Lärmbekämpfung, 47 (3), 95-102.
Babisch, W. 2001: Risikobewertung in der Lärmwirkungsforschung. Zum Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch chronischen Lärmstress. Umweltmed Forsch. Prax., 6 (5): 243-250.

Kontakt
Dr. Wolfgang Babisch
Umweltbundesamt
FG II 1.1 Umwelthygiene und Umweltmedizin, gesundheitliche Bewertung
wolfgang.babisch@uba.de

 

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